Die Allgemeingültigkeit des Weltethos

Die Allgemeingültigkeit des Weltethos

(Newsletter 2016-4)
Im Folgenden soll der Ausdruck „alle Menschen“ in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten näher beleuchtet werden.

Die 1948 von der UNO verabschiedete Allgemeine Erklärung der Menschenrechte beansprucht Allgemeingültigkeit für die ganze Welt, muss sich aber immer wieder vorwerfen lassen, dass damals westliche Politiker unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges ihre christlich-jüdisch geprägten Rechtsvorstellungen der ganzen Welt oktroyieren wollten. Dazu kommt die Kritik mancher islamischer, hinduistischer, buddhistischer und konfuzianischer Gruppen, es werde in der Menschenrechtserklärung nicht auf ihre Mentalitäten und Eigenheiten Rücksicht genommen. Somit wird die Allgemeingültigkeit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Zweifel gezogen.

Diese Vorwürfe gehen bei der vom InterAction Council ehemaliger Staats- und Regierungschefs 1997 der UNO vorgelegten Allgemeinen Erklärung der Menschenpflichten (Universal Declaration of Human Responsibilities) schon deshalb ins Leere, weil diese auf der vom Parlament der Weltreligionen 1993 verabschiedeten Erklärung zum Weltethos beruht, die ja die wichtigsten ethischen Grundsätze enthält, in denen fast alle religiösen und säkularen Traditionen übereinstimmen.

Als Beispiel sei die Goldene Regel genannt: Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg auch keinem andern zu – negativ formuliert;  Behandle die anderen so, wie du selbst behandelt werden willst ­– positiv. Obwohl sie keine religiöse Formel ist, findet sie sich in über 120 Religionen und wird auch von Atheisten sowie Agnostikern voll anerkannt. Sie hat an allen Orten, zu allen Zeiten und für alle Menschen immer gegolten und wird dies weiter tun, solange Menschen auf diesem Planeten in Frieden zusammen leben wollen.

Schon dies allein beweist die Allgemeingültigkeit des Weltethos, das allen Universalität beanspruchenden Rechtsordnungen zugrunde liegen müsste, damit sie wirklich von allen Menschen anerkannt werden können. (Edith Riether)

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