(Newsletter 2016-3)
Die immer wiederkehrenden Skandale der Sportwelt, wie etwa die Korruptions- und Geldwäscheskandale der FIFA oder die Doping-Vorwürfe bei den Olympiaden lassen die Brisanz eines seinerzeit von Hans Küng gehaltenen Vortrags „Welt – Sport – Ethos“ erstaunlich aktuell erscheinen.

Wie in der Gesellschaft so auch in der Welt des Sports gilt ein überaus hohes Maß an Verrechtlichung, Professionalisierung und Kommerzialisierung. Was jedoch auf beiden Ebenen häufig fehlt, ist das nicht Vorschreibbare: die innere Einstellung, die sittliche Grundhaltung – kurz das „Ethos“.

Und so zeigt sich auch im Sport, dass alle Regeln nichts nützen, wenn Menschen sich nicht innerlich auf sie verpflichtet fühlen. Denn ist beispielsweise vom sogenannten „Sportsgeist“ die Rede, so meint dies: die Bereitschaft zum Fairplay, zur Chancengleichheit, zur Wahrhaftigkeit.

Fairplay bedeutet somit, dass es nicht damit getan ist, Regeln und Gesetze bloß einzuhalten, sondern ist eine Geisteshaltung, die die Regeln innerlich bejaht, den Gegner nicht als Feind, sondern als Partner und Partnerin im sportlichen Wettkampf versteht und den selbstverständlich angestrebten Erfolg nicht um jeden Preis erreichen will.

Dabei müsste sich der Sport keiner Sonderethik bedienen, sondern sich „bloß“ an die allgemeinen ethischen Grundsätze halten, die bereits die großen Religionen und Weltanschauungen vertreten, und die für die ganze Gesellschaft gelten:

Erstens: Die Befolgung der uralten Forderung, nicht zu töten, nicht zu verletzen, nicht zu provozieren oder zu diffamieren, würde ausschließen, dass es zum Einsatz von Gewalt innerhalb sportlicher Wettkämpfe kommt. Darüber hinaus könnten damit aber auch gewalttätige Ausschreitungen, wie sie sich unter ZuschauerInnen immer wieder beobachten lassen, ausgeschlossen werden.

Zweitens: Die Aufforderung, nicht zu stehlen, zu lügen oder zu bestechen zu befolgen, würden Korruption und alle anderen Formen der Ungerechtigkeit hintanhalten.

Drittens: Wahrhaftig zu reden und zu handeln, schließt unfaires Verschaffen von Vorteilen, Unredlichkeit und Verbrechen wie Doping aus.

Viertens: Einander zu achten und zu lieben würde Geschlechtergerechtigkeit nach sich ziehen und verhindern, dass die Leistungen von Frauen in manchen Sportarten noch immer gering geachtet und insgesamt schlechter honoriert werden.

Der Sport und die Gesellschaft als Ganze sind damit an das Prinzip der Humanität und der Gegenseitigkeit sowie an die Goldene Regel gebunden. Dies zu verinnerlichen und immer wieder einzufordern, ist weltweit Aufgabe aller Sportbegeisterten, aber auch der gesamten Gesellschaft. (Irene Klissenbauer)

 

Alle Regeln nützen nichts, wenn Menschen sich nicht innerlich auf sie  verpflichtet fühlen

(Hans Küng)

 

5. Juli 2016

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