Weltethos als Brücke

(Newsletter 2013-02)

Religion oder Ethik? Unterricht oder Freistunde? Konfessionell oder Religionskunde? Eine Frage des Geldes und der Politik?

Der seit Jahren laufende Streit um die Frage, ob der konfessionelle Religionsunterricht durch einen Ethikunterricht ergänzt, ersetzt oder mit diesem kombiniert werden soll, geht in eine neue Runde. Hinzu kommt seit neuestem die Frage, wie ein Master für Ethik als Unterrichtsfach aufgebaut werden soll.
Die Diskussionen sind wichtig und eine Lösung lange überfällig. Dabei wird das Wesentliche, dass es um die Ausbildung unserer Kinder geht, und darum, was man ihnen auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden mitgeben will, oft übersehen.
An erster Stelle steht die Frage, welche Anhaltspunkte man ihnen vermitteln möchte, was sie brauchen, um in einer immer pluraler werdenden Welt zurechtzukommen. Eine solche Entscheidung darf nicht durch ideologische Auseinandersetzungen über formale und finanzielle Probleme bestimmt werden.
Übersehen wird dabei auch, dass es nicht zwingend ein Entweder-Oder braucht, weil es lange schon eine Verbindung zwischen dem konfessionellen Religionsunterricht und dem säkular angelegten Ethikunterricht gäbe, die bloß in bestehende Unterrichtskonzepte aufgenommen werden müsste.

Es gibt einen Minimalkonsens zwischen religiösen und säkularen Traditionen, auf dem aufbauend auch detaillierte Fragen nach dem Miteinander, nach dem Umgang mit der Welt und den Tieren diskutiert werden können.Es sind dies die Forderungen nach Gewaltlosigkeit, nach Gerechtigkeit, nach Ehrlichkeit und dem Respekt vor Mensch, Tier und Umwelt, die sich nicht nur in allen Religionen, sondern auch in allen rein weltanschaulichen Philosophien finden. Ob man diesen aus Gründen der Vernunft und/oder aufgrund von religiöser Überzeugung zustimmt, ändert nichts an der Tatsache, dass diese Prinzipien das menschliche Leben leiten müssen, wenn dieses in Frieden gelingen soll.

Die Erklärung zum Weltethos, die diese Prinzipien vertritt und mit der Goldenen Regel auf eine klare Formulierung zu bringen versucht, ist die Brücke, die konfessionellen Religionsunterricht, Ethikunterricht, aber auch eine als Religionskunde verstandene Lehreinheit verbinden kann – wie immer die tatsächliche Umsetzung dann auch ausfallen mag. (Irene Klissenbauer)

Kein Überleben unseres Globus ohne ein globales Ethos, ein Weltethos, gemeinsam getragen von religiösen und nicht-religiösen Menschen

(Hans Küng)

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